InfoSpace, Auf dem Wolf 11, 4052 Basel
Offen Montag 15–18 Uhr und nach Vereinbarung
distro [at] info-space.ch

22.10.2025
Library, A Network of Relations (2025)

Die Ausstellung Library, A Network of Relations präsentiert zwei von Eva Weinmayr mitinitiierte Bibliotheksprojekte, die unterschiedliche Strategien entwickeln, um die relationalen und kollektiven Dimensionen von Wissenspraxis sichtbar zu machen.
Durch einen Open Call und eigene Recherchen hat das Piracy Project (Andrea Francke & Eva Weinmayr) mehr als hundert raubkopierte, nachgeahmte oder modifizierte Bücher aus aller Welt zusammengetragen. Die Herangehensweisen reichen von spielerischen Strategien der Reproduktion, Modifikation und Reinterpretation bestehender Werke über Versuche, Abschottungen wie Zensur oder Marktmonopole zu umgehen, bis hin zu Akten der Piraterie, die von kommerziellen Interessen getrieben sind. Diese Ressource, die online katalogisiert ist, bildet den Ausgangspunkt für Gespräche und Arbeitsgruppen zu den Themen Originalität, Autor:innenschaft und den Auswirkungen des Urheberrechts auf kollektive Praxis.
Das zweite ausgestellte Projekt, Library of Inclusions and Omissions (LIO) besteht aus einem gemeinschaftlich organisierten Leseraum, in dem intersektionale, trans*feministische und dekoloniale Materialien zusammengetragen werden. Dieses facettenreiche und überraschende Archiv beruht auf den Erfahrungen, den Struggles und den Hoffnungen seiner Nutzer:innen. Durch den Aufruf und die Frage an die Nutzer:innen, welches Buch, Bild, welchen Film oder Text sie mit anderen teilen möchten, stellt diese kollektive Archiv die vorherrschenden Validierungsprozesse von Zugang und Klassifizierung in institutionellen Bibliotheken des Globalen Nordens in Frage.

Eva Weinmayr, Library, A Network of Relations, 5.11. – 17.11.2025

Photo: Eva Weinmayr, Library of Inclusions and Omissions in exhibition Utopia of Access Pavilion for Artistic Research, 57th Venice Biennale, 2017

07.10.2025
Careful vs Careless: Library Custodians and Artificial Readers (2025)

Large Language Models haben eine neue Form des Lesens hervorgebracht – und damit die (un)idealen Leser:innen elektronischer Bibliotheken. Indem sie digitale Sammlungen als Trainingsdatensätze behandeln, steht das algorithmische Auslesen sinnbildlich für eine doppelte Bewegung: Es erfüllt und unterläuft zugleich ein zentrales Ideal der öffentlichen Bibliothekskultur – die Vorstellung, dass der Zugang zu Wissen frei und unbegrenzt für alle sein sollte.
Künstliche Intelligenzen lesen alles und nichts – in einem Massstab und Tempo, das menschliche Wahrnehmung übersteigt. Sie «lernen» aus diesen Lektüren, um Muster der Vergangenheit zu extrahieren und das, was sie daraus generieren, als Wissen zu verwerten. Die Ausstellung lädt dazu ein, diese Prozesse kritisch zu betrachten: Warum ist ihre Dynamik relevant? Und wie lässt sich Sorgfalt als Haltung gegenüber den Infrastrukturen unseres gemeinsamen Wissens praktizieren? Im Zentrum steht ein Gespräch zwischen drei Akteuren öffentlicher «Schattenbibliotheken»: Dušan Barok, Gründer von Monoskop, sowie Marcell Mars und Tomislav Medak, Mitbegründer von Memory of the World. Das Gespräch wird von einer Reihe symbolischer und taktischer Gesten begleitet, die zum Nachdenken über die Formen des Sammelns, Teilens und Bewahrens in digitalen Wissensökologien anregen.

Dušan Barok, Marcell Mars, Tomislav Medak, Nick Thurston, Careful vs Careless: Library Custodians and Artificial Readers, 05.11 – 17.11.25

Photo: Paper Struggles, Ausstellung, Zagreb, 2020

14.05.2025
Copyshop (1992/93)

Copyshop war ein temporärer Projektraum in Köln, der im November 1992 während des Rahmenprogramms der Unfair 92 – einem Gegenprogram zur kommerziellen Art Cologne — von der Gruppe BüroBert (Renate Lorenz, Jochen Becker) bespielt wurde. Der im Nachgang dazu erschienene Reader stellt ca. 17 Projekten aus künstlerischen und aktivistischen Bereichen vor, und artikuliert in verschiedenen Essays, Gesprächen Überlegungen zu künstlerischer Praxis und politischer Öffentlichkeit sowie gegenöffentlichen Strategien und Taktiken. Der Reader umfasst auch eine kommentierte Bibliographie von Autor:innen des Buchs.

Copyshop. Kunstpraxis und politische Öffentlichkeit. Ein Sampler von BüroBert, Berlin/Amsterdam: Edition ID-Archiv, 1993 [PDF, 127.87 MB].

06.04.2024
Plury Pläne (2024)

Die Ausstellung «Plury Pläne» von Max Stocklosa beschäftigt sich mit Wissensproduktion jenseits fester Kategorien und Identitäten. Sie hinterfragt die Zuordnung von Wissen zu Klassifikationssystemen und zeigt, wie solche unklassifizierbaren Formen oft unsichtbar oder marginalisiert bleiben. Stocklosa nutzt Poster, Installationen und Videos, um diese Wissensformen zu visualisieren und die Auswirkungen von Klassifikation auf Sichtbarkeit und Machtverhältnisse zu thematisieren. Dabei behandelt die Ausstellung den Widerstand gegen festgelegte Identitäten und Rollen als zentrales Thema.

Max Stocklosa, Plury Pläne, 8.6.-6.7.2024 [Ausstellungsdokumentation: InfoSpace / Max Stocklosa]

29.03.2024
M2ok-Reader (1996)

Die Messe 2ok war ein selbstorganisiertes und selbstfinanziertes Treffen von ca. 30 Gruppierungen aus dem Kunst-, Polit-, und Musikbereich aus der BRD, den Niederlanden, Dänemark, Italien, Ungarn, Österreich und der Schweiz parallel zur Art Cologne im November 1995. Der im Nachgang dazu erschienene Reader bietet mit Beiträgen von über 20 Autor:innen einen umfassenden Überblick über die politischen Diskussion im Kunstbereich in den 1990er Jahren, den damaligen Strategien und dem daraus resultierenden Selbstverständnis autonomer künstlerischer Gruppierungen. Inhaltliche Schwerpunkte sind Sponsoring, der politische Anspruch von nichtinstitutioneller Organisationsarbeit, deren Entscheidungsprozesse und deren ökonomische und politische Konsequenzen.

Der Reader im Format DIN A3 stammt aus dem Bestand von Cittipunkt in Berlin. Wir haben ihn gescannt und das Digitalisat über die kollaborative Shadow Library Monoskop zugänglich gemacht:

Messe 2ok: ökonoMiese machen. Ed by Alice Creischer / Dierk Schmidt / Andreas Siekmann (Köln / Berlin: Permanent Press, 1996) [PDF, 400.5 MB].

19.10.2023
Internationale Marxistische Diskussion

Ein paar Worte über die zwischen 1970 und 1977 im Merve Verlag Berlin erschienene Reihe «Internationale Marxistische Diskussion» – einem distro-Sondersammlungsbestand.

Hier lesen